Interview mit Simon Betz

Simon Betz erzählt uns in einem Interview, wie er sich vom spontanen Neueinsteiger zum erfolgreichen Kletterer im Amateurpeloton entwickelt hat. Der 32-Jährige verbindet seinen Vollzeitberuf mit rund 20.000 Jahreskilometern – und hat sich damit zahlreiche Podiumsplätze erarbeitet, darunter einen Sieg in der UCI World Series und zwei Baden-Württembergische Bergtitel. Nun richtet sich sein Blick auf die WM in Japan, bei der er 2026 ganz vorne angreifen möchte.

 

Simon, erzähl uns zunächst etwas über dich und deinen Weg zum MRSC Ottenbach. Wie bist du zum Radsport gekommen – und was hat dich letztlich zum Verein geführt?

Simon Betz: Ich bin 32 Jahre alt, habe letztes Jahr meinen Elektromeister gemacht und fahre trotz Vollzeitjob rund 20.000 Kilometer im Jahr. Etwa 15 Stunden pro Woche trainiere ich – meine Trainingspläne erstelle ich selbst.

Zum Radsport bin ich mit 18 Jahren eher zufällig gekommen: Im Urlaub in Bayern habe ich mich zu einem Rennradkauf überreden lassen – zwei Wochen später stand ich schon bei meinem ersten Rennen in Neuler am Start. Anschließend habe ich nach einem Verein in der Region gesucht. Beim MRSC Ottenbach e.V. bin ich online auf die Trainingszeiten gestoßen – habe dort mittrainiert und bin bis heute geblieben.

 

Du bist seit vielen Jahren im Amateurradsport aktiv. Welche deiner Erfolge haben für dich persönlich die größte Bedeutung – und welchen Stellenwert nimmt die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft für dich ein?

Simon Betz: Besonders stolz bin ich auf meinen Sieg beim Gran Fondo in den Vogesen 2021, einem 174 Kilometer Rennen der UCI World Series. Auf den letzten Kilometern konnte ich mich mit einem weiteren Fahrer aus einer fünfköpfigen Ausreißergruppe absetzen und den Zielsprint für mich entscheiden. Nach 3.530 Höhenmetern habe ich das Ding in knapp vier Stunden ins Ziel gebracht. Dazu kommen zwei Titel bei der Baden-Württembergischen Bergmeisterschaft (2021 und 2022).

Aber eine Gran Fondo WM ist immer etwas Besonderes, weil man dort erfährt, wo man im weltweiten Vergleich steht. Ich habe inzwischen viermal teilgenommen: 2021 in Sarajevo (Platz 4), 2022 in Trient (Platz 5), 2023 in Glasgow (Platz 17) und 2025 in Australien mit Platz 22, wo mir nur vier Sekunden zum Podium fehlten.

 

Am Ende fehlten dir in Australien nur vier Sekunden für eine Medaille. Wie gehst du sportlich und mental mit so einem knappen Ergebnis um?

Simon Betz: Das Podium um einen Wimpernschlag zu verpassen, ist bitter. Trotzdem versuche ich, solche Situationen sachlich zu analysieren und daraus zu lernen. Ich bin Realist: Ich gehöre nicht zu den sprintstärksten Fahrern. Deshalb musste ich vier Kilometer vor dem Ziel attackieren und alles auf eine Karte setzen. Ich konnte mich mit drei Fahrern absetzen, doch am letzten Hügel ist unsere Gruppe auseinandergefallen. Als Zweiter bog ich auf die Zielgerade ein – wurde dort aber vom heranrasenden Feld noch übersprintet und landete auf Platz 22.

Trotz der Enttäuschung zeigt mir so ein Rennen, dass ich absolut vorne mithalten kann. Ich ziehe meine Schlüsse, hake es ab und richte den Blick nach vorn.

 

Welche großen Ziele stehen für dich als Nächstes an? Du hast bereits den Start bei der WM in Japan angekündigt.

Simon Betz: Ja, ich werde am 30. August in Japan starten – und ich möchte dort voll angreifen. Mein Ziel ist klar: Ich möchte um den WM-Titel fahren. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mir gezeigt, dass ich in der Lage bin, vorn mitzumischen. Der Kurs kommt mir sehr gelegen, die 140 Kilometer sind mit 2.400 Höhenmetern gespickt – ein berglastiges, forderndes Profil in der Nähe von Sapporo.

Deshalb geht es für mich jetzt darum, alle Voraussetzungen zu schaffen, um in Topform an der Startlinie zu stehen. Die WM ist mein absolutes Saisonhighlight.

 

Viele kennen dich als mehrfachen „Traufkönig“ der ALB EXTREM. Was ist für dich herausfordernder – die ALB EXTREM oder ein Gran Fondo wie in Australien?

Simon Betz: Beides ist anspruchsvoll, aber auf unterschiedliche Art. Der Traufkönig ist mental fordernd, weil er sehr lang und rhythmisch schwierig ist. Man muss viele Stunden konzentriert bleiben und seine Kräfte gut einteilen.
Ein Gran Fondo wie zum Beispiel in Australien ist deutlich kürzer, aber dafür viel schneller und taktischer. Dort entscheiden Rennhärte und Timing, während bei der ALB EXTREM vor allem Durchhaltevermögen und Rhythmusgefühl gefragt sind.

 

Als erfahrener Traufkönig – viermal bist du ja die Distanz schon gefahren – welche wertvollen Tipps gibst du den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Ultramarathons mit auf den Weg?

Simon Betz: Der wichtigste Tipp ist: Kräfte einteilen. Viele gehen am Anfang zu schnell rein. Besser ist es, einen konstanten Rhythmus zu entwickeln und die Strecke in Abschnitte einzuteilen – also immer nur bis zur nächsten Verpflegungsstelle denken.
Ebenso wichtig ist es, während der Belastung ausreichend zu trinken und regelmäßig Energie nachzutanken. Besonders entscheidend ist die Kohlenhydratzufuhr: Als Richtwert gelten mindestens 1 g Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde.
Ich habe selbst erlebt, wie hart es werden kann – 2018 bin ich zwei Tage nach einem UCI-Etappenrennen in der Türkei den Traufkönig gefahren. Die letzten zwei Stunden waren reine Kopfsache und pure Überwindung. Die Cola an der letzten Verpflegung hat mich wortwörtlich gerettet. Solche Momente zeigen, wie wichtig mentale Stärke bei solchen Langstreckenrennen ist.

 

Simons Weg zeigt, was Leidenschaft, Fokus und Ehrgeiz im Amateurradsport erreichen können und er ist nicht nur einer der stärksten Fahrer der ALB EXTREM – er gehört auch zu denen, die das Event mittragen. Im vergangenen Jahr fuhr er morgens die 165 Kilometer Runde, um nachmittags als Helfer einzuspringen. Ein Athlet, der sich nicht mit der Ziellinie zufriedengibt, sondern danach auch weiter anpackt.

Wir drücken Simon für die WM in Japan fest die Daumen – und hoffen, dass sich sein großer Traum vom WM-Titel erfüllt.

Danke und alles Gute Simon!

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