Interview mit Wolfgang Liebl („Wolle“)

Unser Streckenarchitekt „Wolle“ gibt euch Einblicke in die Streckenplanung und verrät, worauf es ihm bei der Gestaltung der Routen besonders ankommt und welche Highlights euch 2026 entlang des Albtraufs erwarten.

 

Wolle, was ist dir bei der Streckenplanung generell besonders wichtig?

An erster Stelle steht für mich eine sichere Streckenführung für die große Anzahl an Radfahrern – möglichst verkehrsarm, aber trotzdem gut befahrbar. Gleichzeitig möchte ich die ganze Vielfalt der Schwäbischen Alb erlebbar machen: vom idyllischen Voralbgebiet mit den markanten Zeugenbergen und Burgen wie den drei Kaiserbergen, der Teck oder dem Hohenneuffen, über die engen, kühlen Täler mit ihren Felswänden bis hin zu den langen Albaufstiegen mit grandioser Aussicht. Dazu kommt die Weite der Albhochfläche und im Westen die lieblichen Weinberge – diese Mischung macht für mich den besonderen Reiz aus.

 


Streckenführung durch malerische Landschaften

 

Gibt es in diesem Jahr besondere Anpassungen oder neue Highlights?

Ein echtes Highlight ist in diesem Jahr die weiterentwickelte Alb-easy-Strecke. Sie führt stärker ins Herz der Alb EXTREM – ganz nach dem Motto „mittendrin statt nur dabei“. Neu ist unter anderem die Passage durchs Obere Filstal mit den Anstiegen durch die Wacholderheiden – landschaftlich ein Muss, auch wenn es etwas fordernder wird.

Der östliche Teil der großen Strecken wurde bewusst herausgenommen. Stattdessen führt die Route von Ottenbach über Rechberg und Kuchalb nach Böhmenkirch zur Verpflegung. Von dort bleibt man auf der Alb und folgt dem Streckenverlauf bis nach Bad Ditzenbach – dem zentralen Dreh- und Angelpunkt der ALB EXTREM. Auf dem Rückweg warten mit dem Hexensattel und Oberböhringen noch zwei echte Schmankerl.

 


Verpflegungsstelle Bad Ditzenbach – dieses Jahr für alle Strecken

 

Was sind die größten Herausforderungen bei der Streckenplanung?

Ich denke oft: Jetzt haben wir die perfekte Strecke gefunden – und genau darin liegt die Herausforderung. Denn jedes Jahr ändern sich die Bedingungen: Streckensperrungen, Baustellen oder auch Erdrutsche zwingen uns dazu, neu zu denken. Gleichzeitig müssen Dinge wie sinnvolle Abstände der Verpflegungsstellen und die Attraktivität der Strecke stimmen.

Dieses Jahr hatten wir einige besondere Herausforderungen: Die Sperrung der Geislinger Steige und Umleitungen rund um die Türkheimer und Weiler Steige sowie Bauarbeiten an der Waldhausener Steige haben eine neue Streckenführung über die Albhochfläche erforderlich gemacht. Hinzu kam ein Hangrutsch bei Bad Urach (Sirchinger Steige), der eine komplett neue Passage notwendig gemacht hat. Genau darin liegt aber auch der Reiz – immer wieder neue Lösungen und neue Streckenhighlights zu finden.

 

Wie würdest du den Charakter der diesjährigen Strecke beschreiben?

Die Strecke 2026 ist so abwechslungsreich wie selten. Gleich zu Beginn geht es bis an den Ostrand der Alb bei Heubach, bevor sich die Route in einer abwechslungsreichen, fast mäandernden Linie entlang des Albtraufs bis Richtung Metzingen zieht.

Im Gegensatz zu den Vorjahren, wo es oft im „Stakkato“ die Albaufstiege hoch und runter ging, wechseln sich diesmal längere Talabschnitte mit der Weite der Albhochfläche und Passagen im Voralbgebiet ab. Besonders die 300er Schleife wurde durch die Meidung von Bad Urach neu gedacht und mit vielen neuen aussichtsreichen Abschnitten versehen. Ich bin sie selbst letzten Sonntag abgefahren – herrlich.

 

Welcher Abschnitt ist dein persönliches Highlight – und warum?

Das ist wirklich schwer zu sagen – es gibt so viele besondere Abschnitte. Spontan fallen mir der Schönberg zwischen Tannweiler und Wißgoldingen mit seinem Traufblick ein, die idyllische Kuchalber Steige oder die rasante Abfahrt ins Lenninger Tal. Auch die Ausblicke auf Teck und Hohenneuffen bei Kohlberg sind beeindruckend – und natürlich die Wacholderheiden bei Oberböhringen.

Ein echter Gänsehautmoment ist für mich aber jedes Jahr früh am Morgen die Abfahrt vom Hohenstaufen Richtung Maitis – wenn die Sonne aufgeht und die Strecke im ersten Licht liegt. Leider erlebe ich das meist im Auto als Vorausfahrzeug, aber dieser Moment ist einfach etwas ganz Besonderes.

 


Der Sonne entgegen …

 

Fotos: Tobias Fröhner

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